#007  - Geisterspieltickets & Co - Bestandsaufnahme der Sonderaktionen zum Re-Start des Fußballs

 

 

Seit anderthalb Wochen rollt der Ball in 1. und 2. Bundesliga wieder. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs scheint geglückt, das weltweite mediale Interesse am deutschen Profifußball ist enorm. Auch wenn die leeren Stadien beim Betrachter bei weitem nicht die bekannten Emotionen auslösen, der Re-Start kann als Erfolg sowie als Bestätigung der hervorragenden Vorbereitung verzeichnet werden und sichert die wirtschaftliche Situation der Clubs in hohem Maße.

Nichtsdestotrotz erfahren die Clubs durch den notwendigen Zuschauerausschluss mit jedem durchgeführten Spiel enorme Umsatzverluste in den Bereichen Spielbetrieb und Sponsoring, wobei die letzte TV-Rate mit jedem durchgeführten Spiel mehr und mehr gesichert wird.

 

Und so ist es nach nun drei gespielten Partien für uns einmal an der Zeit zu eruieren, welche Aktionen die Clubs zum Re-Start entwickelten haben, mit denen neue zusätzliche Erlöse erzielt werden sollen.

 

Bei einer von uns durchgeführten Analyse haben wir insbesondere zwei Schwerpunkte ins Auge gefasst: Den Verkauf von sogenannten „Geisterspiel-Tickets“ und Merchandising-Aktionen.

 

Die Analyse der 36 Bundes- und Zweitligisten ergibt dabei ein eindeutiges Bild. Insbesondere in der Bundesliga scheint die Zurückhaltung seitens der Clubs groß zu sein. Alle 18 Bundesligisten verzichten auf den Verkauf von (spieltagsbezogenen) Geisterspieltickets. Hinsichtlich der erst kürzlich erfolgten bzw. noch in der Umsetzung befindlichen Ticketrückabwicklungen und dem damit einhergehenden erbetenen Verzicht der Fans auf finanzielle Rückerstattung, scheint das zurückhaltende Handeln der Clubs nachvollziehbar zu sein.

 

Stattdessen fokussieren sich einige BL-Clubs auf den Verkauf von Merchandising-Artikeln. Neben dem Angebot von Sonderartikeln wie exklusiven Fan-Schals oder Kampagnen-Shirts, wird von einigen Clubs – darunter u.a. Borussia Dortmund, RB Leipzig und der 1. FC Köln – der zum Saisonendspurt übliche Abverkauf des auslaufenden Saisontrikots gepusht. Ihren Fans bieten die Clubs dabei teilweise äußerst attraktive Rabatte in einer Spannweite von -20% bis -40% auf den regulären Trikotpreis. Sondertrikots waren hingegen kein großes Thema bei den Bundesligisten. Einzig der FC Augsburg spielte zum Re-Start mit einem Sondertrikot. Angelehnt an das Gründungsjahr des Vereins und eingebunden in die Club-Kampagne #augsburghältzusammen2020, wurden 1.907 Sondertrikots angeboten und ausverkauft. 19,07% der Erlöse gehen dabei an eine Kinderstiftung.

 

Auch in der 2. Liga herrscht in Sachen Geisterspieltickets größtenteils Zurückhaltung. Lediglich 5 der 18 Zweitliga-Clubs (28%) bieten einzelne Geisterspieltickets oder Pakete an. Der VfL Osnabrück bietet dabei #DAHEIMSPIEL-Tickets in drei verschiedenen Kategorien an (Steh 5€, Sitz 10€, VIP 25€). Zusätzlich können Fans virtuelles Catering erwerben. Ein ähnliches Portfoliobietet auch Erzgebirge Aue (Geisterspielticket für 5€ + virtuelles Catering). Der VfL Bochum hat für seine Fans „Wohnzimmer-Tickets“ für 18,48€ ins Leben gerufen. Ein Teil der Summe wird dann in - an den jeweiligen Spieltagen variierende - Gutscheine umgewandelt (Fan-Shop-Gutschein, Gutschein für Stadioncatering, Freikarten für Testspiele). Der SV Wehen Wiesbaden bietet hingegen für den Rest der Saison Pakete, bestehenden aus einem Merchandising-Artikel und einem „getrenntzusammen-Ticket“, an. Im kleineren Paket (19,26€) erhalten die Fans zusätzlich zum Ticket ein Fan-Shirt, im größeren Paket (38,52€) ein Heimtrikot.

 

Zum wirtschaftlichen Erfolg der Ticket-Aktionen ist noch keine Aussage möglich.

 

Im Bereich Merchandise hatten viele Clubs der 2. Liga bereits in der spielfreien Zeit verschiedenste Sonderartikel oder Sonderaktionen entwickelt, weshalb anlässlich des Re-Starts nur wenige Clubs neue Aktionen lancieren. Beispielhaft sei hier das #HolsteinHeimspiel-Fanpaket von Holstein Kiel genannt.

 

Zusammenfassend lässt sich in 1. und 2. Bundesliga eine große Zurückhaltung hinsichtlich zusätzlicher Ticket- oder Merchandising-Angebote feststellen. Der Verzicht auf Rückerstattungen vieler Fans wird seinen Teil zu diesem aktuellen Status beigetragen haben. Anderseits ist es aus unserer Sicht durch aus vorstellbar, dass einige Clubs an den letzten Spieltagen der Saison (z.B. ein „Endspurt-Ticket“ an den letzten zwei Spieltagen) noch einmal verschiedene Angebote und Aktionen entwickeln werden.

 

Auch bei den Angeboten bez. Dauerkarten für die nächste Saison sind die Clubs noch sehr zurückhaltend. Eine der wenigen Ausnahmen

ist Fortuna Düsseldorf, die sehr frühzeitig mit einem Frühbucherrabatt und transparenter Kommunikation die Dauerkarte 20/21 mit großem Erfolg angeboten

haben. Hier gilt es kreative Angebote zu schnüren, um trotz der auch in 20/21 nicht auszuschließenden Geisterspiele die Fans vom erneuten Kauf der DK zu

überzeugen.

 

 

Anmerkung: Die dargestellten Club-Maßnahmen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die durchgeführte Analyse erfolgte mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Gewissen. 

28.05.2020

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