#008  - Clubs in der Krise - Die richtige Zeit zur Erneuerung ist jetzt

 

Sieben Spieltage sind seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga und 2. Bundesliga zwischenzeitlich absolviert. Ob in den Kabinen oder beim Torjubel immer alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, darf angezweifelt werden – aber insgesamt hat die Bundesliga – und zwischenzeitlich auch die 3. Liga – ein, zumindest sportlich gelungenes Comeback hingelegt und vielleicht sogar noch zusätzliche internationale Aufmerksamkeit aus einer mehrwöchigen weltweiten Exklusivität ziehen können.

Inzwischen steht der Deutsche Meister und auch erste Ab- bzw. Aufsteiger fest. Bemerkenswert ist auch, dass die Einschaltquoten bei Sky alle bisherigen Quoten übertrafen, während die Sportschau zunächst einen drastischen, wenn auch durch die Live-Übertragung der Spiele im Free-TV erklärbaren, Einbruch zu verzeichnen hatte. Jedoch haben sich auch die Quoten der Sportschau zwischenzeitlich wieder stabilisiert – für die anstehende Vergabe der TV-Rechte für die Rechteperiode 2021/22 bis 2024/2025 – aus Sicht der Clubs -  sicherlich ein gutes Vorzeichen.

 

Mit Wiederaufnahme des Spielbetriebes scheint allerdings der gute Vorsatz der DFL, die Zukunft der Bundesligen von Grund auf zu überdenken, wieder in den Hintergrund zu geraten. Während der DFB auf seinem außerordentlichen Bundestag sehr schnell und konkret die Bildung einer „Task

Force Wirtschaftliche Stabilität“ für die 3. Liga beschloss, wirkt es fast so, als dass der Druck, Veränderungen anzustreben, in der DFL schon wieder abnimmt. Sollte das bestehende Geschäftsmodell mit ein paar Schrammen davon kommen und Veränderungen, doch nicht zu tief greifen? Ab Herbst soll in der Task Force „Zukunft Bundesliga“ unter Regie der DFL diskutiert werden. Offen ist allerdings noch die konkrete Ausrichtung, welche Interessenvertreter eingeladen sind bzw. welche Mehrheitsverhältnisse sich ergeben. Eine öffentliche Diskussion findet diesbezüglich noch viel zu leise – vielleicht auch gar nicht statt. Selbst

wenn, das Stadium der Diskussionen und der Weg hin zu echten Entscheidungen wäre auch damit noch nicht überwunden.

 

Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass nachhaltige und spürbare Änderungen notwendig sind und eine Chance für den gesamten

Fußball, bis hinunter in die Nachwuchsarbeit und den Amateurfußball bieten. In unserem Diskussionsbeitrag „Die Zukunft des Profifußballs“ haben wir bereits

erste Themen angeschnitten, welche Maßnahmen die Clubs jetzt individuell ergreifen können. Wir erachten es als wichtig, dass die Clubs ihre Zukunft selbst gestalten und im Wissen um die individuellen Fragestellungen und Herausforderungen nun aktiv werden, noch bevor mögliche Arbeitsgruppen der Verbände unter einer eher generalistischen Herangehensweise aktiv werden. Doch wie können die Clubs diese Zeit nun konkret nutzen, wie können clubspezifische Herausforderungen strukturiert und für die Zukunft neu formuliert werden?

 

Aus unserer Sicht ist nun für die Clubs die richtige Zeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen, Prozesse und Geschäftsfelder zu überprüfen, um wirklich „etwas aus der Krise mitzunehmen“. Wie könnte dies konkret aussehen? Einige schon angesprochene Empfehlungen für den nächsten Schritt, nachdem das erste Stadium der Krisenbewältigung bewältigt scheint:

  • Überarbeitung bestehender und Entwicklung neuer - die jüngsten Erfahrungen einfließen lassende - Steuerungsinstrumente; Performanceanalysen in B2B- & B2C-Vertrieb. 
  • Überprüfung des digitalen Status Quo des Clubs – gerade diese Krise hat mit Home Office, der Verlagerung von Werbeleistungen aus dem Stadion in die digitale bzw. virtuelle  Welt und im Hinblick auf Kommunikation via Social Media einen Leistungssprung aller Clubs verlangt – nicht alle konnten dieses meistern. Welche Bereiche sind auszubauen? Wo bestehen Potentiale und welche IT-Infrastruktur muss dafür geschaffen werden?
  • Strategische Geschäftsfeldüberprüfung bzw. Prüfung und Bezifferung bestehender Rechtestrukturen im Sponsoring-, Ticketing- oder Merchandisingbereich. Gibt es langfristige, einschränkende oder die Handlungsfreiheit beschneidende Verträge? Oder binden bestimmte Geschäftsfelder zu viele personelle/finanzielle Ressourcen und eine – zumindest vorübergehende – Abgabe des Geschäftsfelds an externe Partner erscheint ratsam? Eine Gegenüberstellung der Business Cases ermöglicht eine Entscheidung „Make-or-Buy“.
  • Überprüfung der Organisationsstruktur bzw. insbesondere der Aufbauorganisation und Prozessstruktur – wie sieht der Club der Zukunft aus; insbesondere auch hier ausgehend von der Frage, welche Möglichkeiten die Digitalisierung bietet bzw. welche Anforderungen an das Management sie stellt.
  • Wie stellt sich das „richtige“ Maß hinsichtlich der Einbindung der Fangruppierungen dar? In welchen Bereichen lohnt sich ein Nachdenken darüber, wie Fans eingebunden oder gar in die Entscheidungsfindung einbezogen können? Wie kann deren Kreativität und Loyalität im Sinne des gemeinsamen Ganzen eingebracht werden? Welche Dialogformen bieten sich an? Meist ist der Realitätssinn der organisierten Fanszene außerordentlich ausgeprägt – gerade in Bezug auf die Notwendigkeiten bevorstehender Entscheidungen im Ticket-Pricing für die Saison 2020/21. Es scheint der richtige Zeitpunkt zu sein, verloren gegangene Identifikation zurück zu erobern und an der Annäherung zwischen Fans und Clubs zu arbeiten.
  • Welche Sponsoren oder Partnern des Clubs können das Geschäftsmodell des Clubs ergänzen bzw. lassen sich in das Geschäftsmodell des Clubs einbinden. Welche gemeinsamen Projekte in Sachen Nachhaltigkeit lassen sich gemeinsam umsetzen. Beispielhaft seien die regionalen Energieversorger genannt aber auch die Ausrüster oder Mobilitätsanbieter. Nutzung von Stichworte wie Klimaneutralität oder Ressourcenschonung (natürlich in Verbindung mit konkreten Inhalten) dokumentieren auch nach außen einen neuen Anspruch des Clubs und öffnen gegebenenfalls neue Türen. Überprüfung der Gehaltsstrukturen. Ist der erfolgsabhängige Vergütungsbestandteil ausreichend bemessen? Bestehen Einsparpotentiale ohne Wettbewerbsnachteile zu erleiden, nachdem national sowie international alle Clubs betroffen sein werden? Welche Einflüsse ergeben sich auf die Transferstrategie?

 

Um im Rückblick wirklich beanspruchen zu können, der Krise adäquat begegnet zu sein halten wir es für trotz erschwerender Bedingungen wie Homeoffice oder Kurzarbeit sowie der Bindung von Ressourcen durch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für wichtig und den richtigen Zeitpunkt für gekommen, sich diesen beschriebenen Fragen zu widmen und entsprechende Projekte auf den Weg zu bringen. Dies kann und sollte unabhängig von Überlegungen einer Taskforce der DFL oder des DFB und individuell innerhalb eines jeden Clubs erfolgen.

 

 

18.06.2020

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